Dienstag, 10 Juni 2014 17:18

Aus meinem Arbeitsalltag

Es gibt Geschichten, die man einfach nicht vergisst, weil Sie so einzigartig, bewegend oder aber auch lustig sind.

Eine wunderschöne Geschichte, an die ich mich immer wieder gerne erinnere, obwohl sie schon einige Jahre zurück liegt, dreht sich um einen Greyhound. Von der Greyhound Protection wurde er aus Spanien nach Deutschland geholt und lebte dort in einer Pflegstelle um dann endlich an seinen Endplatz vermittelt zu werden. Seine neuen „Eltern“ wendeten sich an mich, weil sie Hilfe bei den Spaziergängen benötigten. Ihr neues Familienmitglied kam zwar mit der alten Hündin im Haus gut zurecht, aber ansonsten hielt er Hunde für überflüssig. Somit wurden die Spaziergänge zu nervenaufreibenden Ausflügen. Zu diesem Hund gehörten glücklicherweise Menschen, von denen jeder Trainer träumt der mit Markersignalen und positiver Verstärkung arbeitet und sie schafften es innerhalb kurzer Zeit, entspannt spazieren zu gehen. Nach weiterem Training konnte er sogar streckenweise in den Freilauf – denn auch der Rückruf klappte mitlerweile sehr gut. Diese und ähnliche Geschichten, sind der Grund, warum ich diesen Beruf liebe.

Leider ist dieser Traumhund im letzten Jahr über die Regenbogenbrücke gegangen. Ich bin so dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte!

Eine andere Geschichte, an die ich mich manchmal erinnere dreht sich um eine Kuvasz-Hündin, welche in einem Restaurant lebte. Unser Kennenlernen war für mich ein wenig schmerzhaft, aber dafür unvergessen. Die Besitzerin dieser Hündin rief mich an, weil die Hündin immer größere Schwierigkeiten mit den Gästen im Restaurant hatte. Sie würde knurren und immer häufiger versuchen, nach diesen zu schnappen. Dieses Problem sei im Gastraum am größten. Ich erklärte ihr, dass sie die Hündin bitte nicht frei laufen lassen solle, wenn ich zu ihr käme, da Hunde keinen Unterschied zwischen Restaurantgästen und Hundetrainern machen. Ich fuhr also zu dieser Kundin und die Hündin war wie besprochen nicht zu sehen. In einem kurzen Gespräch erfuhr ich, dass die Hündin im Auto warten würde, weil dies am entspanntesten für sie wäre. Wir befanden uns auf dem Parkplatz als die Kundin den Kofferraum öffnete und dabei mitteilte, dass sie den Hund nun raus lassen würde. Sie hatte noch gar nicht ganz ausgesprochen, als mein Arm in einem ziemlich großen Maul verschwunden war und ich merkte kurz zwei Schraubzwingen in meinem Arm. Es ging ganz schnell und dann war der Hund schon wieder weg. Auf meine Frage, was das nun sollte, sagte die Besitzerin: „Ich wollte ihnen zeigen, was mein Hund macht. Darum habe ich sie rausgelassen.“

Für die Menschen, die glauben, dass Hundetrainer sich nicht vorstellen können, was damit gemeint ist, wenn ihnen beschrieben wird, dass der Hund nach Menschen schnappt oder glaubt wir Hundetrainer hätten kein Schmerzempfinden, möchte ich dieses Missverständnis aus der Welt schaffen. Jedenfalls für mich gilt: Ich habe eine ziemlich gute Vorstellungskraft und ich bin extrem schmerzempfindlich!

Seit diesem Vorfall erkläre ich meinen Neukunden sehr ausführlich, wie ich mir ein Kennenlernen wünsche.

Alle guten Dinge sind 3 und es gibt nichts, was es nicht gibt – die Arbeit mit Menschen ist abwechslungsreich und überraschend:

Vor ca. 3 Jahren lernte ich eine sehr fitte Rentnerin (70 Jahre alt) mit ihrer Deutsch Drahthaarhündin kennen. Die Dame ging mehrmals die Woche mit der Hündin joggen und war sehr bemüht diese auszulasten. Allerdings hatte sie Schwierigkeiten, sie fest zu halten, wenn sie Wild roch oder anderen Hunden begegnete. Diese Dame kennenzulernen war eine Freude und wir machten gute Fortschritte. Bei einem unserer Termine erzählte sie mir, dass sie einen Jagdschein hätte und häufig eine Gaspistole bei sich hätte, weil ihr diese Sicherheit geben würde. Irgendwann waren wir soweit, dass ich mit ihr gezielt an einem Ort trainieren wollte, an dem wir Hunde treffen würden. An dem Trainingstag lief alles großartig. Wir trafen andere Hunde und die DD-Hündin zeigte sich von ihrer besten Seite – sie war mit anderen Hunden sehr freundlich. Dann begegneten wir einer freilaufenden Hundegruppe und ich bemerkte, dass meine Kundin sehr unruhig wurde, so dass ich den Hund übernahm. Während sich nun zwei der freilaufenden Hunde auf uns zu bewegten und ich die Halter bat, diese zurückzurufen, sagte meine Kundin: „Frau Schulze, machen sie sich keine Sorgen, wenn die näher kommen, dann schieße ich in die Luft!“ Nun war auch ich im Stress – ich habe schon die Schlagzeile vor meinen Augen gesehen. „Kundin der Hundeschule TonCane schießt auf unangeleinte Hunde“, denn natürlich hatte ich eine Jacke mit meinem Logo an (Werbung ist  nicht immer gut ). Glücklicherweise hörten die freilaufenden Hunde auf ihren Rückruf und meine Kundin auf mich….

Geschichten wie diese drei, sind für mich das Salz in der Suppe in meinem Arbeitsalltag. Vielen Dank dafür!

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